Tucson Conquistadores Classic

Bernhard Langer knackt 17-Jahre-Rekord

Am Ende war es ein Leaderboard ganz nach dem Geschmack eines jeden Golf-Fans: Tom Lehman lässt nach packendem Finish seinen amerikanischen Landsmann Steve Stricker knapp hinter sich und gewinnt. Der Anhausener Bernhard Langer wird nach toller Aufholjagd alleiniger Dritter und Fred Couples (ebenfalls USA) kommt nach Erstrundenführung auf einen geteilten vierten Rang. Vielleicht war die PGA Tour Champions, in der Langer dieses Jahr seine zehnte komplette Spielzeit bestreitet, nie hochklassiger. Dementsprechend ist jede weitere Top-3-Platzierung bei den Senioren in Übersee – es war die 75. bei 191 Starts – ein klasse Ergebnis. Mit 32 Runden unter Par in Folge auf der PGA Tour Champions knackt der Ausnahmeathlet aus Bayerisch-Schwaben zudem eine Bestmarke aus dem Jahr 2000.

Ein gewisser Gil Mogan, immerhin siebenmaliger PGA Tour Titelträger aus den Vereinigten Staaten und 25 maliger Gewinner bei den über 50-Jährigen, schaffte vor 17 Jahre das Kunststück, 31 Turnierrunden hintereinander unter Platzstandard zu bleiben. Dieser Rekord ist nun Geschichte und Bernhard Langer könnte seine Serie vom Sonntag, als er die 32. Runde unter Par in Folge schaffte, bei den kommenden Events sogar noch ausbauen.

Dass er bei der Tucson Conquistadores Classic 2017 nicht mehr um den Sieg mitspielen konnte, war vor allem seinen ersten 18 Loch am Freitag geschuldet. Durch eine gute, aber eben nicht überdurchschnittliche Runde von 71 Schlägen, fand er sich vor dem Wochenende auf einer Position im Mittelfeld wieder. Die 68 am Samstag sowie die bogeyfreie 65 am Finalsonntag führten zum ausgezeichneten dritten Rang und seiner 75. Platzierung unter den besten Drei. Am Ende benötigte der Deutsche in Arizona 204 Schläge und blieb 15 Zähler unter Par. Das US-amerikanische Trio mit Fred Couples, Billy Andrade und Gene Sauers wurde mit 14 unter einen Schlag hinter Langer gemeinsam Vierte. Bernhard Langer erzielte zum Abschluss acht Birdies und zehn Pars. Die ersten Schlaggewinne notierte der 59-Jährige gleich auf den ersten drei Auftaktbahnen. Und während die direkte Konkurrenz etwas schwächelte, legte er mit weiteren drei Birdies auf den letzten fünf Spielbahnen nach. Somit wurde er wie bereits im vergangenen Jahr sehr guter Dritter.

Ganz vorne sah es nach 36 von 54 zu spielenden Löchern ganz nach einem Sieg des Rookies Steve Stricker aus. Der mehrfache Ryder Cup Teilnehmer und ehemalige Nummer 2 der Weltrangliste wurde am 23. Februar 2017 50 Jahre alt und hätte es beinahe geschafft, bereits bei seinem allerersten Auftritt auf der Seniorentour in Übersee den Titel zu holen. Immerhin hatte er vor dem Finaltag drei Schläge Vorsprung. Doch Landsmann Tom Lehman hatte etwas dagegen. Der Mann aus Minnesota erlebte gestern einen Sahnetag. Schon an Loch 2 der Ausgleich, als ihm ein Eagle gelang und Stricker zuvor an der 1 patzte. In der Folgezeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem besseren Ende für Lehman. Der Sieg-Score betrug 199 Gesamtschläge, 20 Schläge unter Par. Stricker kam mit 200 Schlägen und 19 unter Par auf ein respektables Top-Ergebnis bei seinem Senioren-Debüt.

Nicht ganz so gut lief es bei den beiden im Vorfeld als stark eingeschätzten Rookies Jerry Kelly und David Toms (beide USA), die im Abschluss-Klassement Fünfzehnte mit weiteren Professionals wurden. Ein Turnier zum Vergessen hatte Euro-Neuling Paul McGinley aus Irland, der nicht über Position 75 hinauskam.

Alle Endergebnisse der aktuellen Auflage der Tucson Conquistadores Classic finden Sie hier.

Die Veranstaltung lobte wie in den letzten Jahren erneut ein Gesamtpreisgeld von 1,7 US-Dollar aus, wovon allein der Sieger Tom Lehman gut eine Viertel Million Dollar erhielt. Der neue Champion rückte mit seinem Erfolg auf Rang 4 der Saison-Rangliste um den Charles Schwab Cup vor, in der Bernhard Langer seinen zweiten Rang festigen konnte und nun 500.000 US-Dollar auf seinem Punktekonto hat. Der Abstand auf den Führenden Couples konnte er ein wenig verkürzen, dieser beträgt etwas mehr als 50.000 Dollar. Es bleibt also spannend!

Obwohl das Turnier erst seit 2015 Bestandteil der US-amerikanischen Seniorentour ist, kann die Veranstaltung auf eine große Historie zurückblicken. 1966 unter dem Namen Tucson Open ausgetragen, war es das erste Event, das live in den USA ausgestrahlt wurde. In der Zwischenzeit kämpfen die Über-50-Jährigen um Preisgeld und wertvolle Ranglistenpunkte, die äußerst prägnante Sieg-Trophäe blieb bestehen. Denn den Gewinnern der Tucson Conquistadores Classic wird – wie schon zu Zeiten des PGA Turniers – eine goldene Trophäe in Form eines Helms aus der Zeit der Konquistadoren überreicht. Vorbild ist der sogenannten „Marion“, ein Helm ohne Visier, wie er noch heute von Teilen der päpstlichen Schweizergarde getragen wird. Erstmals wurde dieser ganz spezielle Siegespreis im Jahr 1968 an den Kanadier George Knudson vergeben – eine Tradition, die seitdem beibehalten wurde.

Beim Namensgeber „Tucson Conquistadores“ handelt es sich nicht um einen Sponsor im üblichen Sinn, anders als bei den meisten vergleichbaren Events steht dahinter keine Firma oder Marke, sondern ein Zusammenschluss von Geschäftsleuten aus der Region. Die Unternehmung wurde 1962 von Roy P. Drachman gegründet, geht auf eine Auseinandersetzung zwischen Apachen und Spanier im 18. Jahrhundert zurück und führt Förderprogramme für junge Menschen mithilfe des Profigolfsports durch. Mit einer gleichnamigen Stiftung wurden bereits viele Millionen Dollar für den guten Zweck gesammelt.

Der Austragungsort, kurz Tucson National, ist nach seinem berühmten Vorbild Augusta National benannt. Der Platz war der erste in dieser Gegend und wurde 1961 von Golflegende Jack Nicklaus feierlich eröffnet. Bei dem PGA Tour Turnier auf dieser Anlage konnten sich so klangvolle Namen wie Larry Mize, Geoff Ogilvy oder Phil Mickelson in die Siegerliste eintragen. Der Par-73-Championship Course hat eine Länge von etwa 6.640 Metern und wurde von Robert Van Hagge und Bruce Devlin konzipiert. Im Parkland-Platz sind acht Seen und 80 Bunker integriert.

Erstmals seit Beginn der Veranstaltung im Südwesten der Vereinigten Staaten wurden in diesem Jahr die Lochfolge der Spielbahnen 10 bis 17 so verändert, dass die drei Abschlussbahnen ein zusammenhängendes, wesentlich spektakuläreres Finish bilden konnten. Die 16 wurde zusätzlich zum „Party-Hole“ umgebaut. Sicherlich ein Mehrwert für die Zuschauer, der zur guten Stimmung vor Ort beitrug.

Tucson ist mit seinen gut 520.000 Einwohnern nach Phoenix die zweitgrößte Stadt im US-Bundesstaat Arizona. Der Name leitet sich aus dem indianischen „Chuk Shon“ ab und bedeutet so viel wie „am Fluss des schwarzen Berges“. In der Metropolregion Tucsons leben über eine Million Menschen. Berühmtester Bewohner der Stadt ist vermutlich Ex-Beatle Paul McCartney. Eine Besonderheit Tucsons sind die sogenannten „Stravenues“, die per Definition „Streets and Anvenues“ diagonal miteinander verbinden. Namensgeber dieser offiziellen amerikanischen Straßenbezeichnung ist ebenfalls oben genannter Roy Drachman.