Vier Tage Volunteer

„Behind the scenes“ bei der Porsche European Open 2015, Bad Griesbach

Vier Tage lang Volunteer sein bei einem internationalen Profi-Turnier (von Helen Rode)

Als ich acht Tage vor Turnierbeginn die Email mit dem Einsatzplan bekam, hatte ich meine Anmeldung schon fast vergessen. Die Bewerbung hatte ich kurzfristig, sogar nach dem Bewerberschluss, eingereicht. Die Chancen, angenommen zu werden, standen ziemlich schlecht. Aber siehe da! Es hat doch geklappt.

Am Mittwochabend gab es zunächst ein Pflichtbriefing. Die Volunteer-Leitung (David, Gabi und Manou) klärte uns auf, dass es eine „Volunteer-Etikette“ gibt. Zum Beispiel ist das Sprechen mit den Spielern während der Runde strengstens untersagt. Auch sollte man keine Fotos (insbes. Selfies) mit den Spielern machen.

Im Anschluss an das Briefing fand die Bekleidungsausgabe statt: Poloshirts, Jacke, Mütze – alles in einer klassischen schwarz/weiß Kombination. Dazu der Ausweis, Parkberechtigung, Essensgutscheine, etc. Die Organisation schien mir sehr aufwendig zu sein. Wie lange brauchen die Organisatoren, damit alles vorbereitet ist? Wie viele Helfer werden benötigt, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten? David erzählte mir, dass die Planung für den Einsatz der freiwilligen Helfer bereits Anfang März 2015 begann. Die Anzahl der benötigten Volunteers hängt von vielen Faktoren ab: erwartete Zuschauerzahl; Live-TV vor Ort, Live-Scoring Loch für Loch usw. Bei der diesjährigen European Open waren pro Tag knapp 200 Helfer im Einsatz.

Die viertägige Porsche European Open fand in diesem Jahr Ende September statt und ist ein wichtiges Turnier im Turnierkalender der European Tour. Die TV-Liveproduktion wurde weltweit in über 350 Mio. Haushalten übertragen.

Am ersten Tag des Turniers begleitete ich als „Walking Scorer“ das Match Nummer 7. Dieser Dreier-Flight bestand aus Wade Ormsby, Mark Forster und Steven Dodd, eher unbekannteren Spielern. Dies war mir ganz recht, da ich erst seit Mittwochabend überhaupt wusste, was ein „Walking Scorer“ zu tun hat.


Aufgaben eines „Walking Scorers“
Der „Walking Scorer“ begleitet einen Flight und gibt den Score der Spieler nach jedem gespielten Loch unverzüglich in ein GPS-gesteuertes Gerät (PGA Live Scoring) ein und leitet das Ergebnis an die Scoring-Zentrale weiter. Damit wird sichergestellt, dass die Spieler, Zuschauer und Medienvertreter immer aktuell und korrekt über den Turnierverlauf informiert werden. Dies geschieht hauptsächlich über die Scoreboards, Leaderboards, das Internet und TV. Zusätzlich werden die Scores handschriftlich auf einem Scoresheet notiert. Falls das GPS Gerät ausfallen sollte, werden die Ergebnisse auch per Funkgerät an die Scoring-Zentrale übermittelt. Weiter ist zu beachten, dass der Flight nie verlassen werden darf und die Ergebnisse absolut korrekt weitergegeben werden. In Zweifelsfällen darf der Caddy befragt werden.


Der relativ frühe Abschlag der Spieler um 8:20 bedeutete für mich: Aufstehen um 5:45, Fahrt zum Park und Ride Platz, Shuttlebus zum Golfplatz (Franz Beckenbauer Platz), Anmelden im Volunteer Office (immer 45 Minuten vor Einsatzbeginn), Einweisung in das PGA Live Scoring Gerät, schnelles Frühstück und ab zum ersten Tee. Leider war an diesem Tag mein „Carryboarder“ (er zählt mit und trägt die Anzeigetafel) ausgefallen. Also war ich ganz alleine für das Scoring verantwortlich. Bloß keinen Fehler machen!

Am ersten Tag bin ich insgesamt über 12 km gelaufen. Man muss schon ziemlich fit sein: die Spieler gehen extrem schnell, dazu kommt die hohe Konzentration und auch die Spannung – wann ist man sonst einen halben Tag lang in unmittelbarer Nähe von Profis?

Der zweite Tag lief ähnlich ab, diesmal mit einem „Carryboarder“. Ich begleitete Morgen Hoffmann, Simon Thorton und Max Orrin. Diese drei Spieler waren locker und entspannt, denn sie hatten kaum noch eine Chance, den Cut zu machen. Für die Volunteer-Leitung ist der zweite Tag immer der anstrengendste und längste Tag. Die Startzeiten der Flights können erst nach dem Cut festgelegt werden. Danach werden die Einsatzzeiten der Volunteers geplant und kommuniziert.

Am 3. Tag kam für mich der Höhepunkt. Ich war um 11:01 der deutschen Golflegende Bernhard Langer und dem Engländer John Perry zugeteilt. Beim Handschlag von Bernhard Langer am ersten Abschlag war ich schon etwas aufgeregt. Danach genoss ich aber trotz des Nieselregens die Runde sehr und bekam als „Dankeschön“ von Langer und Parry unterschriebene Bälle.

Am 4. Tag durfte ich noch einmal mit Bernhard Langer laufen! Diesmal spielte er zusammen mit Alejandro Canizares. Langer spielte Birdies an Loch 2 und 14 und beendete das Turnier bei -8, Weltklasse-Golf. An diesem Tag sind sehr viele Zuschauer mit uns gelaufen. Dies erwies sich als sehr anstrengend. Zwischen den Greens und Tees musste ich mich regelrecht durch die Menschenmassen schieben und „Lassen Sie die Spieler durch“ rufen. Natürlich wollten auch die Zuschauer dem deutschen Golf-Idol dicht auf den Fersen sein!

Zurück in Baden-Baden fragten mich einige Golffreunde, wie ich zu diesem tollen Erlebnis kam. Bewerben kann sich jeder Golfer über die Homepage der European Tours. Englisch sollte man können. Auch weitere Fremdsprachen sind hilfreich. Alles in allem war dieser Einsatz eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte!